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Aus der Vergangenheit
Heute beim Aufräumen fiel mir ein altes Tagebuch in die Hand. Beim durchblättern war ich auf einmal wie vom Blitz gerührt:
2. Mai 1989 Ich bin mit jetzt fast 100% sicher, dass ich noch 2 Schwestern habe. Sie sind die Töchter von ..., sind im Mai/Juni 1982 geboren (Zwillinge) und heißen ... und .... Mein Vater ist der Vater von noch zwei Kindern und lebt einfach zusammen mit mir hier weiter. ... erzieht die Kinder nicht alleine sondern zusammen mit ihrem Mann. Ich weiß das aus Briefen von ihr, die ich heimlich gelesen habe. Und ich hab' es erst nicht glauben wollen, auch wenn ich schon längere Zeit den Verdacht hatte. Wie soll ich jetzt wieter leben, wo ich weiß, daß ich insgesamt 3 Schwestern habe? Eintrag vom 9.6.1990 geht ganz einfach - iss mir irgendwo auch scheißegal Offensichtlich stimmt das. Denn ich hatte es ja so verdrängt, dass ich im letzten Jahr so ziemlich genau 20 Jahre nach dem Tagebucheintrag wieder genauso erstaunt war, als ich den Brief las. Meisterin der Verdrängung.
Täter
Sie haben es mir beide angetan, die die mich verlassen hat und der der blieb. Die Nähe ist eine Illusion. Was sonst noch?
Zwei
Schon in der Schule war ich fasziniert von Zwillingen. Warum das so war, weiß ich eigentlich nicht so genau. In meiner Klasse war zwar ein Mädchen, dass hatte einen Zwillingsbruder und ich fand das toll, aber ich fand ohnehin die Vorstellung einen Bruder (möglichst einen großen) zu haben toll. Die Hanni und Nanni Bücher habe ich nicht gelesen, obwohl das z miener Zeit noch ziemlich angesagt war. Aber das doppelte Lottchen war eines meiner Lieblingsbücher (wohl auch, weil die beiden Scheidungskinder waren).
Ich habe dann immer so bei mir gedacht, bestimmt Du selbst mal Zwillinge. Ich weiß, dass das eigentlich eher ein Horror ist, und für Mutter wie Kinder risikobehafteter als eine normale Schwangerschaft, aber irgendwas musste es doch zu bedeuten haben, dass ich so auf die Zwillingssache abfuhr. Jetzt sind sie auf andere Weise als gedacht aufgetaucht. Ich glaube ich hätte lieber selbst welche bekommen. Vor allem weil ich ja noch gar nicht weiß, ob ich die, die es schon gibt, jemals kennenlernen werde.
Krank
Meine Neugierde ist noch lange nicht gestillt. Heute (wirklich heute) habe ich den Entwurf seiner Antwort auf den Sturmbrief gelesen. Die Skrupel sind nach fast einem Jahr fast verflogen.
Doch er sieht nicht die Sehnsucht, die aus ihrem Brief zu lesen war. Er spricht von gesundheitlichen Problemen, will Zeit schinden. Ob sie die Antwort, wie sie entworfen wurde, überhaupt erhalten hat, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wie lange ich es noch aushalte, meine Fragen nicht zu stellen. In etwa einem Monat jährt sich meine Entdeckung. Es kommt mir wie gestern vor. Auch wenn ich täglich darüber nachdachte und doch zu keinem Schluss gekommen bin.
Aktuell
Gestern die Dokumentation im Fernsehen. Über Väter, die eigentlich keine hatten sein wollen. Leider habe ich nur die letzten paar Minuten gesehen und dann heute etwas im Internet darüber nachgelesen.
Die Beispielväter waren alle jung, die Kinder noch klein. Das ist hier ja schon lange vorbei. Es käme mir falsch vor, die Bücher über die Suche nach dem Vater, dem Leben ohne ihn zu lesen. Das ist nicht meine Geschichte (im Gegenteil). Könnte ich eine der Mütter sein, die egoistisch sind und alleine entscheiden, dass der Kinderwunsch mit einem bestimmten Mann erfüllt werden soll? Früher dachte ich immer, dass ich ohnehin mein Kind, meine Kinder alleine großziehen würde. Ich kannte es ja nicht anders. Es erschien mir um einiges einfacher, Entscheidungen alleine treffen und die Richtung selbst bestimmen zu können. Doch es ist schwer, zu schwer vermutlich für mich.
Wut
Als ich es herausgefunden hatte, wusste ich nicht, wie ich damit umgehen sollte. Als erstes schrieb ich meine Gedanken auf. Einfach nur, um ihnen die Geschwindigkeit zu nehmen, die sie in meinem Kopf aufgenommen hatten. Und sie fuhren im Kreis. Und sie ließen keinen Raum mehr für irgendwelche anderen Gedanken. Doch auch wenn sich durch das Aufschreiben alles etwas beruhigte - es war sofort klar, dass ich darüber mit jemandem reden musste. Fast jede Aufzeichnung, die ich machte, endete mit der Frage "und mit wem bitteschön kann ich darüber reden?". Bei der Entscheidung, welchen Menschen ich in dieser Sache ins Vertrauen ziehen sollte war nicht so sehr deren Verschwiegenheit das Problem - ich dachte vielmehr darüber nach, wem ich die Teilhabe an meinem Wissen zumuten durfte.
Als ich die Entscheidung letztendlich traf, erschien sie mir ganz selbstverständlich. Es kamen nur zwei in Frage und die warnte ich vorher mehrfach. Über die Wut, die ich bei ihnen auslöste, war ich dennoch erstaunt. Die Wut richtete sich nicht gegen mich. Sondern die Geschichte machte sie so wütend, dass ich mich fast schon fragte, ob mit mir etwas nicht stimmte. Denn Wut war eigentlich überhaupt nicht das Gefühl, das durch die Entdeckung in mir ausgelöst worden war. Perplex würde es wohl eher treffen. Traurig auch. Verwirrt. Ratlos. Aber nicht wütend. Meinen Vertrauten gegenüber musste ich rechtfertigen, dass ich nach Entschuldigungen und Erklärungen suchte und nicht die Konfrontation. Die Sehnsucht nach Klärung ist da. Ich bin aber noch nicht bereit die Konsequenzen zu tragen, die ich mir seit der Entdeckung auszumalen versuche. Vielleicht kommt so auch langsam die Wut. Ich hätte glaube ich das Recht dazu, wütend zu sein.
Richtungen
Ich erinnere mich an Bücher, die ich als Jugendliche las, bei denen man am Ende eines Kapitels mehrere Möglichkeiten hatte, wie es weiter gehen sollte. Je nachdem für welchen Handlungsstrang man sich entschied, musste man an eine bestimmte blättern.
Natürlich hatte man nicht wirklich Einfluss auf den Verlauf der Geschichte. Es gab ohnehin nur drei oder vier verschiedene Optionen, drei oder vier mögliche Enden. Mir kommt es vor also ob auch die Entscheidungen, die man im Leben treffen kann, nur in definierten Bahnen laufen. Man hat nur die Illusion des Bewusstseins, der Macht, doch ein richtiges "querfeldein" gibt es nicht. Man ist gezwungen auf den eigenen Wegen bleiben.
Offen
Wenn die Tränen kommen - und sie kommen immer - kann ich nichts dagegen tun. Sie kommen nicht bei den großen Momenten, sondern bei den vielen, vielen kleinen Momenten. Ein Lied, ein Moment, ein Satz und ich spüre, dass ich die Kontrolle verliere. Weil es nur kleine Momente sind, ist es einfacher darüber hinweg zugehen. Zu sagen, "ich bin halt nah am Wasser gebaut" oder sowas. Viele finden das süß, manche befremdlich, aber keiner ahnt die große Traurigkeit, die sich da bahnbricht.
Ich hatte es geübt. Das in den Griff zu bekommen. Die Gefühle ins Zentrum zu lenken, damit sie wärmen und nicht die Tränen fließen lassen. Es gelingt nur schlecht. Man will ja nicht die Empathie ersticken, nur nicht so übertreiben. Auch mal etwas erzählen oder erbitten, ohne dass die Stimme zittert. Dabei denke ich eigentlich schon immer, dass ich ein rationeller Mensch bin. Keine Gefühlsduselei. Das macht das mit den Tränen noch schwieriger. Weil ich mir dann selbst so fremd vorkomme.
Brennen
Die brennenden Fragen manifestieren sich in meinem Körper. Die ätzende Säure steigt hoch und lässt sogar den Kopf schmerzen. Die Tabletten, die mir der Arzt gegen die Symptome verschreibt, helfen leidlich. Der Schmerz lässt nach, die Fragen bleiben.
Aktionismus
Nachdem so ziemlich alles, was ich für sicher hielt zerbrach, habe ich erst mal eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Aber diese kleine Karte vermag nicht, mich nachhaltig zu beruhigen.
... davor ...
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Last update: 2014.01.21, 15:40 status
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/ Ich hoffe, Ihnen... nemorosa
/ Einem Menschen keinen... nemorosa
/ Sie sagen es. systir
/ Manchmal ist ja... nemorosa
/ Ich befürchte... systir
Danke ...
... für das Antville Layout 'Got a Date?'
das ich für diese Seite angepasst habe. |
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